Änderungen für Nicht-KMU: Energieaudits bald verpflichtend

Bereits am 5. November 2014 wurde der Gesetzentwurf des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) zur Teilumsetzung der Energieeffizienzrichtlinie beschlossen. Die Energieeffizienzrichtlinie 2012/27/EU vom 4. Dezember 2012 muss von allen 28 Mitgliedstaaten der EU in innerstaatliches Recht umgesetzt werden. Am 5. Februar 2015 hat der Bundestag dem Gesetzentwurf zugestimmt. Spätestens zum 1. Mai dieses Jahres tritt daher die Änderung des Gesetzes über Energiedienstleistungen und andere Energieeffizienzmaßnahmen (EDL-G) in Kraft. Dies hat vor allem für Nicht-KMU bedeutende Auswirkungen: Künftig müssen diese ein Energieaudit nach DIN EN 16247 durchführen.

 

Stichtag für geschätzte 50.000 Unternehmen im Dezember

Betroffen sind alle Organisationen, die mehr als 250 Mitarbeiter beschäftigen und Unternehmen, die einen Jahresumsatz von mehr als 50 Millionen Euro erwirtschaften – beide Bedingungen müssen erfüllt sein. Ist das bei einem Konzern im Gesamtbild gesehen der Fall, so sind auch alle Tochterunternehmen von der neuen Regelung betroffen, egal wie viele Mitarbeiter dort jeweils beschäftigt sind. Wichtig zu erwähnen ist hierbei, dass die Pflicht zur Durchführung eines Audits auch für die Handels- und Dienstleistungsbranche gilt und nicht, wie oft angenommen, nur für das produzierende Gewerbe. In Deutschland sind es geschätzte 50.000 Unternehmen, für die ein Audit im Rahmen des neuen EDL-G ab diesem Jahr bindend wird.

Die Änderung des EDL-G verpflichtet dazu, erstmalig bis zum 5. Dezember 2015 ein Audit durchzuführen und es danach regelmäßig zu wiederholen. Als „regelmäßig“ ist ein Wiederholungszeitraum von vier Jahren zu verstehen.

Auf etwaige Steuererleichterungen oder die Inanspruchnahme der Härtefallregelung nach EEG hat die Änderung des EDL-G keine Auswirkungen, hier gelten nach wie vor die bisherigen Bestimmungen. Um Steuererleichterungen beim Spitzenausgleich in Anspruch nehmen zu können, müssen die erfolgreiche Durchführung eines Energieaudits nach DIN EN 16247 und der daraus resultierende Energieauditbericht auch künftig durch eine externe Zertifizierungsstelle mit einem Prüfprotokoll bestätigt werden.

 

Energieaudit oder Energiemanagementsystem?

Ein Energieaudit ist ein unabhängiger, systematischer und dokumentierter Prozess zur Erlangung von Nachweisen und zu deren objektiver Auswertung. Ermittelt werden beispielsweise das Energieverbrauchsprofil des Unternehmens oder die Möglichkeiten von Energieeinsparungen. Die Ergebnisse werden anschließend in einem Bericht erfasst.

Ein Energiemanagementsystem (EnMS) verfolgt im Gegensatz zum Energieaudit ein längerfristiges Ziel, nämlich dauerhaft den Umgang mit Energie im Unternehmen effizienter zu gestalten. Es trägt dazu bei

  • Kosten zu reduzieren,
  • die Umwelt zu schützen,
  • Transparenz über die Energieverbräuche zu gewinnen,
  • Energiekosten verursachergerecht zuzuordnen,
  • die Mitarbeiter energetisch zu sensibilisieren und
  • Förderungen, aber auch gesetzliche Erleichterungen zu nutzen.

 

EnMS verlängert Abgabefrist

Entscheidet sich die Organisation anstelle eines Energieaudits nach DIN EN 16247 dafür, ein Energiemanagementsystem nach DIN EN ISO 50001 einzuführen, so erhält das Unternehmen einen Aufschub der Audit-Deadline bis voraussichtlich Mitte 2016, da die Einführung eines solchen Managementsystems mehr Zeit in Anspruch nimmt als ein Energieaudit.

Übrigens: Betreibt das Unternehmen bereits ein Energiemanagementsystem nach DIN EN ISO 50001, so ist es von der Durchführung des Energieaudits nach DIN EN 16247 freigestellt, da die regelmäßige Audittätigkeit Bestandteil eines solchen Systems ist. Auf Betriebe, die an EMAS teilnehmen, hat die Änderung des EDL-G keine Auswirkung – EMAS wird auch weiterhin anerkannt.

 

Stichproben durch BAFA

Die Überprüfung der Durchführung eines Energieaudits gemäß EDL-G erfolgt stichprobenhaft über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Als Nachweis der Durchführung dient die Bestätigung eines Energieauditors, der die Anforderungen des § 8 EDL-G erfüllt.