DIN EN 16247-1 und DIN EN ISO 50001

Die DIN EN 16247-1 wurde im Oktober 2012 in deutscher Fassung veröffentlicht und beschreibt die Anforderungen an ein Energieaudit, das für ein Unternehmen die Möglichkeit eröffnet, seine Energieeffizienz zu verbessern und den Energieverbrauch zu reduzieren. Das Audit dient in erster Linie dem Erkennen von Einsparpotenzialen und gibt dafür entsprechende Methoden vor. Nach der europäischen Norm EN 16247-1 ist ein Energieaudit eine „systematische Inspektion und Analyse des Energieeinsatzes und des Energieverbrauches einer Anlage, eines Gebäudes, eines Systems oder einer Organisation mit dem Ziel, Energieflüsse und das Potential für Energieeffizienz-Verbesserungen zu identifizieren und über diese zu berichten.“Die DIN EN 16247-1 soll einen Rahmen für ein standardisiertes Energieaudit mit hoher Vergleichbarkeit geben. Bislang wurde erst der Teil 1 (Allgemeine Anforderungen) als DIN-Norm veröffentlicht, die weiteren Teile liegen lediglich in Entwurfsfassung vor.

Energieaudits zum Teil bereits verpflichtend

Bereits seit dem 01.01.2013 sind kleine und mittlere Unternehmen des produzierenden Gewerbes verpflichtet, ein jährliches Energieaudit nach DIN EN 16247-1 durchzuführen, wenn sie staatliche Vergünstigungen im Rahmen des Spitzenausgleichs (vgl. 55 EnStG bzw. § 10 StromStG und SpaEfV) erhalten möchten. Alternativ zur Durchführung eines Energieaudits nach DIN EN 16247-1 ist für KMU auch die Durchführung eines Audits nach Maßgabe der Anlage 2 zur SpaEfV ausreichend oder auch die Einführung eines Energiemanagementsystems nach DIN EN ISO 50001 oder eines EMAS-Umweltmanagementsystems möglich. Bei Nicht-KMU ist die Einführung eines Energiemanagementsystems nach DIN EN ISO 50001 oder eines EMAS-Umweltmanagementsystems verpflichtend; ein Audit ist nicht mehr ausreichend. Auch die neue besondere Ausgleichsregelung nach dem EEG 2014 erfordert für KMU des produzierenden Gewerbes ab 1 GWh Stromverbrauch p.a. ein Energieaudit bzw. ab einem Stromverbrauch von mehr als 5 GWh p.a. die Einführung eines Energie- oder Umweltmanagementsystems.

Woraus besteht ein Audit?

Nach DIN EN 16247-1 müssen vor dem Audit Ziele, Anforderungen, Anwendungsbereich und Grenzen des Energieaudits, Zeitraum seiner Durchführung und Anforderungen an die Daten, die vor Beginn des Audits zu sammeln sind, vereinbart werden.

Das eigentliche Audit besteht aus einer Einführungsbesprechung, der Datenerfassung (historische Daten zum Energieverbrauch, vorherige Untersuchungen in Bezug auf Energie und Energieeffizienz, Energietarife etc.) und einer Begehung des zu prüfenden Objekts, um den Energieeinsatz zu evaluieren sowie Bereiche und Prozesse zu ermitteln, wo zusätzliche Daten benötigt werden. Sodann folgt eine Analyse der ermittelten Energieflüsse und der Energiebilanz sowie der den Energieverbrauch beeinflussenden Faktoren. Dieser Schritt ist die Basis für die Ermittlung geeigneter Energiekennzahlen und Energiesparmaßnahmen. Es werden die verschiedenen Maßnahmen anhand von Wirtschaftlichkeitsberechnungen monetär bewertet, um aufzeigen zu können, welche Investitionen sich in welchem Zeitraum rentieren. Abschließend werden die wesentlichen Einsparpotenziale und -maßnahmen in einem Energiebericht zusammengefasst. Schließlich wird ein Abschlussbericht verfasst und übergeben.

Unterschiede: Energieaudit und Energiemanagementsystem

Die DIN EN 16247-1 normiert den Ablauf einer qualifizierten Energieanalyse; letztlich erfolgen eine Analyse des Energieverbrauchs sowie eine Potenzialanalyse. So lassen sich Möglichkeiten erkennen und entsprechende Verbrauchsminderungen umsetzen. Das Audit nach der DIN EN 16247-1 ist jedoch keine Managementsystem-Norm. Sie ist demnach weder mit der DIN EN ISO 50001 vergleichbar noch eine Zertifizierung. Sie bewertet den Istzustand des Energieverbrauchs, gibt jedoch noch keine Anhaltspunkte für eine kontinuierliche Energieeinsparung, wie es in einem Managementsystem beabsichtigt ist. Nichtsdestotrotz ist ein Energieaudit nach dieser Norm ein erster Schritt für eine erfolgreiche Zertifizierung des Energiemanagementsystems nach DIN EN ISO 50001. So entspricht die Vorgehensweise des Energieaudits weitgehend der energetischen Bewertung nach dem Managementsystem. Ein durchgeführtes Audit erleichtert insofern die Einführung eines Managementsystems.

Die DIN EN ISO 50001 ist ein systematisches Energiemanagementsystem. Ein solches ist insbesondere für mittlere und größere Unternehmen hilfreich, ihren Energieverbrauch kontinuierlich und systematisch zu beobachten, regelmäßig nach Energieeffizienz-Maßnahmen zu suchen und dies dann auch schließlich von einem externen Auditor zertifizieren zu lassen. Energiemanagement umfasst die Summe aller Maßnahmen, die geplant und durchgeführt werden, um bei geforderter Leistung einen minimalen Energieeinsatz sicherzustellen. Ein Energiemanagementsystem erfasst systematisch die Energieströme und nimmt dann anhand der Ergebnisse Einfluss auf organisatorische und technische Abläufe sowie Verhaltensweisen. So senkt es unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten den betrieblichen Gesamtenergieverbrauch (also auch die für die Produktion erforderliche Energie) und den Verbrauch von Grund- und Zusatzstoffen und verbessert kontinuierlich die Energieeffizienz im Unternehmen. Älter als das Energiemanagementsystem nach DIN ISO 50001 ist das Umweltmanagementsystem nach Maßgabe der der Verordnung (EG) Nr. 1221/2009 (EMAS = Eco Management and Audit Scheme), das in Deutschland durch das Umweltauditgesetz (UAG) ergänzt wird. Als Zusatz zur ISO 50001 ist auf internationaler Ebene neu u.a. eine ISO 50002 vorgesehen, die Energieaudits betrifft.